Geschichte der Kirchengemeinde

Buoch bildete zuerst den kirchlichen Mittelpunkt der Berglen. Der Weg nach Buoch zur Kirche war weit und anstrengend, und so bauten sich die Bewohner einzelner Orte des Buocher Kirchspiels bald Kapellen, damit sie im Ort ihre Andacht verrichten konnten. In Oppelsbohm stand die Kapelle vermutlich auf der Platz der heutigen Kirche. Sie war dem hl. Mauritius geweiht.


Nachdem auch Bewohner der umliegenden Orte nach Oppelsbohm kamen, dürfte die Kapelle bald zu klein geworden sein. Man wünschte sich eine Kirche. In der Kirchbausage, die wir der Ortschronik entnehmen, kommt dies zum Ausdruck:


Als man beisammen war, den Bauplan zu besprechen, konnten die Oppelsbohmer trotz aller Anstrengung nicht mit ihrer Meinung durchdringen. Die Mehrzahl meinte, man solle die neue Kirche auf der Höhe zwischen Necklinsberg und Buhlbronn bauen. Dort sei sie recht in der Mitte des Kirchspiels. Schweren Herzens gaben die Oppelsbohmer schließlich dem Verlangen der Wieslauftäler nach. Man fing auf den Berglen an, Steine für den Bau zu brechen und führte sie auf den geplanten Bauplatz. Als man aber am anderen Tage weitermachen wollte, da war kein Stein mehr auf dem Platz. Alle lagen unten im Tal, mitten in Oppelsbohm. Doch so leicht wollten sich die anderen Orte nicht herumbringen lassen. Sie schickten ihre Fuhrleute und ließen die Steine wieder auf die Höhe führen. Damit der Bau bald fertig werde, halfen alle Orte zusammen, und in wenigen Tagen lag neben den Bausteinen auch das Bauholz bereit. Doch wie verwunderten sie sich, als der Bauplatz am anderen Morgen wieder leer lag. Das ging nicht mit rechten Dingen zu. Trieben die Oppelsbohmer Zauberei, um ihren Willen durchzudrücken?

 

Mit großer Mühe schaffte man das Baumaterial wieder auf den Berg und stellte am Abend die Zimmerleute als Wachen dazu. In der Nacht aber kamen die Erdmännlein zum dritten Mal und trugen Bausteine, Bauholz und Zimmerleute hinunter nach Oppelsbohm. Nun merkten auch die Wieslauftäler, dass man die neue Kirche in Oppelsbohm bauen musste.


Erst um 1528 wurde die neue Kirche fertig. Man weihte sie wieder dem heiligen Mauritius. Ursprünglich war der Turm etwas kleiner, wurde aber später um das achteckige Stück erhöht, damit die Bewohner der umliegenden Orte die Kirchenglocken besser hören konnten.


Der einzige katholische Geistliche unserer Kirche, dessen Name uns überliefert ist, war Magister Ulrich Vaihinger. Er betreute gleichzeitig die Pfarreien in Buoch und Cannstatt. Die kirchlichen Dienste ließ er durch Vikare versehen. 1520 musste er nach Buoch ziehen und auf die beiden anderen Pfarreien verzichten.


Als Herzog Ulrich nach seiner Vertreibung wieder ins Land kam, ließ er sein Herzogtum reformieren. Wer von den Priestern nicht zum lutherischen Glauben übertreten wollte, sollte abgefunden werden. Der neue evangelische Pfarrer in Oppelsbohm, Jörg Hoffmann aus Schorndorf, wurde zwar von den herzoglichen Kirchenräten berufen, aber vom katholischen Domstift Konstanz eingesetzt und besoldet. Das Stift durfte weiterhin den Zehnten der Oppelsbohmer Pfarrei einziehen. Gleichzeitig schaffte man die katholischen Bräuche wie Messe und Ohrenbeichte ab, entfernte Wegkreuze, Heiligenbilder und Heiligenaltäre und zog die großen Kirchengüter ins Württembergische Kirchengut zusammen. Die Einsiedler, die es auch in unserer Gegend gab, hatten ihre Behausungen vermutlich schon vorher verlassen.


Nachdem Kaiser Karl V. über die Protestanten gesiegt hatte, wurden die evangelischen Pfarrer gezwungen, wieder die Messe zu halten und andere katholische Bräuche anzunehmen. Wer sich weigerte, wurde abgesetzt und eingesperrt. Der erste evangelische Pfarrer von Oppelsbohm scheint damals um sein Amt gekommen zu sein.


Während des 30jährigen Krieges versah Magister Michael Speidel den Pfarrdienst in Oppelsbohm. Da die meisten Einwohner, die noch am Leben waren, nur wenig Äcker bebauten, ging sein Zehnt außerordentlich zurück. Gemeinde und Pfarrer baten das Konstanzer Domkapitel um Hilfe, leider ohne Erfolg. Die herzogliche Regierung wollte anfänglich auch nicht helfen, doch sperrte sie 1655 den Konstanzern den Zehnten von Bretzenacker, Rettersburg, Weißbuch und Streich und vermehrte dadurch das magere Einkommen des Pfarrers. In den folgenden Jahrzehnten waren die Pfarrer ebenfalls darauf angewiesen, durch Einkünfte aus ihrer Landwirtschaft die Besoldung zu verbessern. 1707 hausten die Franzosen in Oppelsbohm. Die Vorräte des Pfarrers an Wein und Lebensmitteln, sein Küchengeschirr und seine Bücher wurden mitgenommen oder zerstört und die Gärten verheert.


Aber nicht nur unter der Bedrückung von Fremden hatten die Oppelsbohmer Pfarrer zu leiden. Vielfach klagten sie über schlechten Kirchenbesuch, wüstes Wesen und wildes Leben ihrer Pfarrkinder und weite Wege zu den Filialorten.
Im Jahre 1803 fiel das Bistum Konstanz an die Markgrafen von Baden. Das Patronat und die Zehntrechte der Oppelsbohmer Kirchengemeinde wurden vom Haus Württemberg 1807 im Tausch erworben. Damit entfiel, dass eine Einrichtung der katholischen Kirche Rechte innerhalb der evangelischen Gemeinde ausübte. Neben anderen Orten löste man Lindental und Asperglen aus der Pfarrei, bis sie die Gestalt annahm, die sie heute noch besitzt.